Blutige Seide

 

 

 

 

 

 

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Originaltitel:    Sei donne per L`assassino   

Blood and Black Lace

Herstellungsland:    Italien
 
Erscheinungsjahr:    1964
Regie:    Mario Bava
 
Darsteller:    Cameron Mitchell
Eva Bartok
Thomas Reiner

 

Plakatkünstler:   ??
     
Händlerpreis:   ca. 130.- Fr.

 

 

Mit „Blutige Seide“ erschuf der italienische Ausnahmeregisseur 1964 den Prototypen des Giallos. Die unheimliche Mordserie in der Model- und Modeszene Roms wurde von Bava in eine Ästhetik gebettet, die exakt zum Milieu passt: Künstlich, unwirklich, dekadent. Er inszenierte den Film, als wollte er die Möglichkeiten des Farbfilms komplett ausreizen und tauchte die Sets in knallige Farbthemen, wie man es zuvor aus Hollywood gewiss noch nicht kannte, vollführte schnittfreie Kamerafahrten und ungewöhnlich Einstellungen und machte seine Zuschauer zu faszinierten Voyeuren (und legte damit den Grundstein für spätere filmische Eskapaden z.B. eines Dario Argentos).

Diese Durchästhetisierung, innerhalb derer die Morde für die Entstehungszeit ungewöhnlich explizit dargestellt und genüsslich ausgekostet werden, stellt den eigentlichen Inhalt, ob bewusst oder unbewusst, in den Hintergrund; der Star ist hier sozusagen die Verpackung. Bei den Charakteren scheint es sich um allesamt degenerierte Personen zu handeln, die ihre persönlichen Abgründe hinter einer schillernden Fassade aus Pomp und Schick zu verstecken versuchen, sich dabei aber in einer vernichtenden Spirale aus Misstrauen, Missgunst und letztlich Gewalt befinden, die zu ihrem Schicksal wird. Durch diesen Subtext in Kombination mit Ausstattung und Inszenierung schlägt Bava die oberflächliche Scheinwelt quasi mit ihren eigenen Waffen.

Das Finale wartet selbst nach der Enttarnung des Mörders noch mit einem unerwarteten Plottwist auf, übertreibt es dabei genretypisch und lässt spätestens hier eine subtile Karikatur reißerischer, herbeikonstruierter Geschichten vermuten.

Mit seinem malerischen Kunstwerk „Blutige Seide“ war Bava seiner Zeit voraus, als erster Vollblut-Giallo war der Film Einfluss und Vorreiter für ganze (Sub-)Genres und ist nach wie vor ein wahrer Genuss.

( Eintrag von Buxtebrawler in der ofdb.de )